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Abreißschrauben am Zündschloss lösen
Wer zum ersten Mal ein Lenkradschloss ausbaut, steht irgendwann ratlos davor: Die Schrauben haben keinen Kopf. Kein Kreuzschlitz, kein Sechskant, nichts zum Ansetzen. Das ist kein Defekt, sondern Absicht — und mit dem richtigen Handgriff in wenigen Minuten erledigt.
Was Abreißschrauben sind und warum sie verbaut werden
Abreißschrauben, auch Abscherschrauben genannt, haben eine Sollbruchstelle am Kopf. Bei der Montage im Werk zieht der Monteur sie an, bis der Kopf bei einem festgelegten Drehmoment abreißt. Zurück bleibt ein glatter Stumpf, an dem kein Werkzeug mehr greift.
Der Sinn dahinter ist Diebstahlschutz. Das Lenkradschloss ist das Bauteil, das die Lenksäule blockiert. Ließe es sich mit einem Schraubendreher in zwei Minuten abnehmen, wäre die Sperre wertlos. Deshalb sitzen diese Schrauben praktisch an jedem Zündschloss beziehungsweise Lenkradschloss — markenübergreifend, vom Kleinwagen bis zum Transporter.
Wie viele sind es? In aller Regel ein bis zwei Stück, am häufigsten zwei. Rechnen Sie also damit, den Handgriff zweimal zu brauchen — und legen Sie sich entsprechend viele neue Schrauben für den Einbau bereit.
Woran Sie sie erkennen: Statt eines Schraubenkopfes sehen Sie eine glatte, meist leicht gewölbte Kuppe, oft bündig mit dem Gehäuse. Auf unserem Foto aus der Micra-Anleitung sieht man beide Zustände nebeneinander.
Weg 1: Körner und Hammer
Die klassische Methode und die, mit der wir am häufigsten arbeiten. Sie setzen den Körner am äußeren Rand der Schraubenkuppe an — nicht in der Mitte — und schlagen vorsichtig in Richtung gegen den Uhrzeigersinn. Der Stumpf dreht sich dabei ruckweise heraus.
Meist genügt eine halbe Umdrehung. Sobald sich die Schraube gelöst hat, geht der Rest leicht mit den Fingern. Wichtig ist die Betonung auf vorsichtig: Sie arbeiten in unmittelbarer Nähe der Lenksäule und der Kabelbäume.
Weg 2: Automatikkörner
Ein Tipp aus der Praxis, der überraschend gut funktioniert: ein Automatikkörner, also der federbelastete Körner, den man nur aufdrückt statt zu hämmern. Er löst den Schlag selbst aus, und zwar immer gleich stark. Das ist besonders dort im Vorteil, wo für einen Hammer schlicht kein Platz ist — und genau das ist unter der Lenksäule oft der Fall. Eine Hand reicht, die andere bleibt zum Abstützen frei.
Weg 3: Schlitz einbringen und herausdrehen
Sitzt die Schraube fest oder ist der Stumpf so vergammelt, dass der Körner nur abrutscht, hilft der Dremel: Mit einer kleinen Trennscheibe einen flachen Schlitz in die Kuppe schneiden, dann mit einem passenden Schlitzschraubendreher herausdrehen. Aus der kopflosen Schraube wird so wieder eine ganz normale.
Der Schlitz muss nicht tief sein — er soll nur dem Schraubendreher Halt geben. Achten Sie darauf, beim Trennen nichts anderes zu berühren, und decken Sie Kabel in der Nähe ab.
Beim Einbau: unbedingt wieder Abreißschrauben verwenden
Das ist der Punkt, an dem die meisten Heimwerker falsch abbiegen — und er ist wichtiger als der ganze Ausbau: Beim Wiedereinbau gehören neue Abreißschrauben hinein. Keine normalen Schrauben mit Kopf, auch nicht „übergangsweise".
Der Grund ist nicht Formalismus, sondern zweifach handfest:
- Versicherungsschutz. Das Lenkradschloss ist eine Diebstahlsicherung. Wer sie mit gewöhnlichen Schrauben befestigt, hebt genau die Wirkung auf, für die sie eingebaut ist — im Schadensfall riskieren Sie damit Ihren Versicherungsschutz.
- Das Anzugsdrehmoment steckt in der Schraube. Der Kopf reißt genau dann ab, wenn das vorgeschriebene Moment erreicht ist. Die Schraube kontrolliert sich also selbst: zu fest geht nicht, zu locker merkt man sofort, weil der Kopf noch dran ist. Bei einer normalen Schraube fehlt diese Sicherung komplett — Sie müssten das Moment kennen und einen Drehmomentschlüssel an einer Stelle ansetzen, an der oft kaum Platz ist.
Neue Abreißschrauben sind Cent-Artikel und für die gängigen Fahrzeuge problemlos zu bekommen. Legen Sie sie sich vor dem Ausbau bereit — dann steht das Fahrzeug später nicht unnötig herum.
Der häufigste Fehler: normale Inbusschrauben einsetzen
Das ist die Reklamation, die wir am häufigsten auf dem Tisch haben — und sie ist immer vermeidbar. Wer statt der Abreißschrauben normale Inbusschrauben verwendet, kann sie beliebig weit anziehen. Genau das passiert dann auch, weil man es „gut meint" und fest anzieht.
Die Folge: Das Zündschloss verzieht sich. Das Gehäuse wird durch das zu hohe Anzugsmoment verspannt, die Bauteile im Inneren laufen nicht mehr frei, und das Schloss arbeitet nicht mehr sauber. Der Kunde hat also nach der Reparatur wieder ein hakendes Schloss — nur liegt es diesmal nicht am Schloss, sondern am Einbau.
Deshalb noch einmal in aller Deutlichkeit: Immer Abreißschrauben verwenden. Ein Schaden, der durch verspannten Einbau mit falschen Schrauben entsteht, ist kein Fall für die Garantie auf unsere Reparatur — er entsteht erst nach unserer Arbeit und lässt sich am verzogenen Gehäuse eindeutig erkennen.
Bitte ernst nehmen: Zündschloss und Lenkradsperre sind sicherheitsrelevante Bauteile, Arbeiten daran unterliegen dem Meisterzwang. Wenn Sie unsicher sind oder das Werkzeug fehlt, lassen Sie den Ausbau in einer Werkstatt Ihrer Wahl machen. Die Reparatur selbst übernehmen wir anschließend — dafür brauchen wir nur das Bauteil, nicht das Fahrzeug.
Ein konkretes Beispiel mit Fotos
Wie das Ganze am Fahrzeug aussieht, zeigen wir Schritt für Schritt am Nissan Micra: Lenkradschloss beim Micra K12/K13 ausbauen — mit Fotos aus unserer Werkstatt, auf denen die Schraubpunkte eingezeichnet sind. Der Ablauf lässt sich weitgehend auf andere Fahrzeuge übertragen, nur die Verkleidung und die Zugänglichkeit unterscheiden sich.
Sie kommen nicht weiter?
Rufen Sie uns an — wir haben das ein paar hundert Mal gemacht und helfen beim Ausbau am Telefon weiter. Das kostet Sie nichts.
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