Soforthilfe

Lenkrad blockiert, Schlüssel dreht nicht: was jetzt?

Das Fahrzeug lässt sich nicht starten, das Lenkrad ist gesperrt. Viele hören dann, das ganze Schloss müsse getauscht werden. Dabei sind es nur zwei Schrauben.

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Von Rainer Bartels · Kfz-Mechaniker & Flugzeugtechniker, über 30 Jahre Erfahrung mit Fahrzeugschließsystemen

Zuerst: keine Gewalt

Der häufigste Fehler in dieser Situation ist mehr Kraft. Ein Schlüssel bricht schnell — und dann steckt der Bart im Zylinder, was die Sache deutlich aufwendiger macht.

Ebenso wenig hilft es, das Lenkrad mit Gewalt zu bewegen. Der Sperrbolzen sitzt dann noch fester.

Was Sie sofort versuchen können

Das Lenkrad entlasten. Wenn die Räder eingeschlagen stehen, steht der Sperrbolzen unter Spannung — er klemmt gegen die Lenksäule. Bewegen Sie das Lenkrad leicht in beide Richtungen, ohne Kraft, und drehen Sie dabei gleichzeitig sanft den Schlüssel. Oft löst sich die Sperre in dem Moment, in dem der Bolzen entlastet ist.

Den Zweitschlüssel probieren. Dreht der, liegt es am ersten Schlüssel — dann ist meist nur der Bart abgenutzt und das Schloss selbst in Ordnung.

Bei Kälte: Steht das Fahrzeug draußen und die Temperaturen sind niedrig, kann Feuchtigkeit im Schloss die Mechanik zusätzlich schwergängig machen. Wärme hilft manchmal — mehr dazu unter Zündschloss und Temperatur.

Was Sie nicht tun sollten: großzügig Öl einsprühen. Es bindet Staub, verharzt und macht die spätere Reparatur schwieriger. Wenn das Schloss innen mechanisch defekt ist, hilft kein Schmiermittel.

Wenn nichts davon hilft

Dann ist im Schloss etwas gebrochen oder ausgeschlagen. Bei VW, Audi, Seat und Škoda sind das typischerweise der Mitnehmer am unteren Ende des Zylinders oder die Zuhaltungsplättchen im Inneren.

Ein häufiger Auslöser: ein schwerer Schlüsselbund. Das Gewicht hängt bei jeder Fahrt am Zylinder und arbeitet ihn über die Jahre aus. Dazu haben wir einen eigenen Ratgeber: Wie der Schlüsselbund das Zündschloss zerstört.

„Das geht nicht" stimmt nicht

In Foren und an manchem Werkstatttresen hören Betroffene an dieser Stelle: Bei blockierter Lenkradsperre komme man nicht an die Schrauben, das ganze Lenkschlossgehäuse müsse getauscht werden. Daher stammen die Beträge im hohen dreistelligen Bereich, die im Netz kursieren.

Das ist so nicht richtig. Das Zündschloss lässt sich auch dann ausbauen, wenn die Lenkradsperre eingerastet ist und der Schlüssel gar nicht mehr dreht.

Zwei Schrauben — mehr ist es nicht

Das Zündschloss ist mit zwei Abreißschrauben am Lenkrohr geklemmt. Sind die heraus, halten Sie das Schloss in der Hand. Das ist alles.

Abreißschrauben haben keinen Kopf — der wurde bei der Montage im Werk abgedreht, damit niemand das Schloss einfach abschraubt. Übrig bleibt ein glatter Stumpf. Man löst ihn, indem man mit einem Körner am Rand ansetzt und in Losdrehrichtung schlägt, oder indem man ihn mit einem 5-mm-Bohrer abbohrt. Wie das im Einzelnen geht, steht unter Abreißschrauben lösen.

Wer handwerklich einigermaßen geschickt ist, schafft das. Sie brauchen keinen Meisterbrief und kein Spezialwerkzeug — Körner, Hammer, Bohrmaschine und etwas Geduld reichen.

Den Rest machen wir. Sie schicken uns das Schloss, wir zerlegen und setzen instand.

Es bleibt alles, wie es war

Ihr Schlüssel passt danach weiterhin. Die Wegfahrsperre bleibt unberührt. Nichts muss angelernt, codiert oder programmiert werden.

Das ist der entscheidende Unterschied zum Neuteil. Wer ein neues Zündschloss einbaut, bekommt neue Schlüssel dazu — und die passen dann nur ins Zündschloss. Türen, Heckklappe und Funkfernbedienung bleiben auf dem alten Schließbild. Sie führen zwei Schlüssel mit sich, oder Sie tauschen das ganze Schließsystem.

Wie wir das lösen

Rufen Sie an, bevor Sie abschleppen lassen. Wir hören uns an, wie sich das Schloss verhält, und sagen Ihnen, ob sich die Sperre noch lösen lässt. Das entscheidet über alles Weitere.

Lässt sie sich lösen, kann das Schloss ausgebaut und eingeschickt werden — dann setzen wir es instand, und Ihre vorhandenen Schlüssel passen weiterhin.

Lässt sie sich nicht lösen, ist das kein Grund zum Abschleppen. Das Schloss kann trotzdem ausgebaut und eingeschickt werden — wir sagen Ihnen am Telefon, worauf dabei zu achten ist.

Wenn Sie den Ausbau nicht selbst machen möchten: Wir sind fester Partner von fast 1.000 Werkstätten in ganz Deutschland — in vielen Regionen können wir Ihnen einen Ansprechpartner nennen, der das übernimmt.

Der Vorteil gegenüber dem Weg zum Vertragshändler: Sie behalten Ihre Schlüssel, und es wird nur das ersetzt, was tatsächlich defekt ist.

Was wir am Telefon wissen müssen

Fahrzeug, Baujahr und was genau passiert: Dreht der Schlüssel ein Stück oder gar nicht? Geht die Lenkradsperre auf? Leuchtet etwas im Cockpit? Funktioniert der Zweitschlüssel?

Aus diesen Angaben lässt sich meist schon einordnen, ob der Zylinder, der Mitnehmer oder der Zündanlassschalter das Problem ist — und wie dringend es ist.

Lenkrad blockiert — rufen Sie an

Bevor Sie abschleppen lassen: Ein Anruf klärt, ob sich die Sperre noch lösen lässt. Montag bis Samstag, 8 bis 20 Uhr.

04953 7082374